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Die Offizierseiten

 

Kreative Kommunikation

Ausgehend von den aufgeführten, den Offizier und die höhere Führung allgemein prägenden bzw. beeinflussenden Rahmenbedingungen lassen sich erste Folgerungen für den Offizier im General-/Admiralstabsoffizier ableiten.

Der Generalstabsoffizier ist höherer Offizier der Streitkräfte, mithin Angehöriger der höchsten Führungsebene. Als solcher ist er berufen, Verantwortung zu tragen für den Einsatz militärischer Gewalt auf einer Ebene, die in Kategorien von Großverbänden und von „schweren“ Waffensystemen bis hin zu Nuklearwaffen zu denken bestimmt ist. Als Vorgesetzter ist er Führer, Ausbilder und Erzieher, mit Befehlsgewalt ausgestattet, verbunden mit der ungeteilten Macht und Verantwortung, die Inbegriff der militärischen Führung ist. Als Angehöriger eines Stabes oder des Ministeriums wird der General-/
Admiralstabsoffizier als beratende Fachkraft für ein spezialisiertes Organisationselement verwendet mit dem Anspruch, in ganzheitlichen Ansätzen, also unter Berücksichtigung auch fachfremder Belange zu denken.

Ganzheitliches Denken, also die Fähigkeit der Berücksichtigung verschiedenster Lösungsansätze und Sichtweisen, erforderlichenfalls unter Aufgabe des eigenen Standpunktes zugunsten eines übergeordneten Interesses macht wahrscheinlich den General-/Admiralstabsoffizier in seinem Wesen aus. Dies macht ein Denken in wissenschaftlichen Kategorien zwingend: Der Prozess, zu jeder These die Antithese zu suchen und jedes gefundene Prinzip bis in seine letzten Grenzen hin auszutesten. Bei den Geisteswissenschaften ist dabei der Diskurs, die gegenläufige Diskussion ein zwingendes Erfordernis.

Dies verlangt ganz konkret die Fähigkeit, auch entgegengesetzte Sichtweisen als Gewinn zu betrachten – eben als geistreich. Kreativität ist mehr als Erfahrung, nämlich der angeregte Gedanke. Und die beste Form, kreatives Denken im Diskurs zu bewerkstelligen, ist persönliche Kommunikation. Darin liegt sicher auch künftig die Überlegenheit des Menschen vor der Maschine, in seiner Fähigkeit, in einem von allen Sinnen wahrgenommenen persönlichen Gespräch nicht nur Informationen übermitteln, sondern gleichzeitig Emotionen und Gedanken austauschen und anregen zu können. Eine Organisation, die nur noch elektronisch kommuniziert, verliert demgegenüber wesentliche Fähigkeiten zur Menschenführung. Eine Entwicklung, die vielerorts in den Streitkräften zu spüren ist. Eine ausgeprägte Neigung und Fähigkeit, ja der Wille zur persönlichen Kommunikation sind demgegenüber die Grundpfeiler für den Erfolg generalstabsmäßiger Arbeit.